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Aktuelle Informationen und Nachrichten aus Hannover · Sonntag, 22. April 2018

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Keine Fortführung des Heroinprojekts als Regelversorgung

Mit Unverständnis und Bedauern reagieren Hannovers Sozialdezernent Thomas Walter und Vertreter der am so genannten "Heroinprojekt" beteiligten Träger Step gGmbh und Medizinische Hochschule Hannover (MHH) auf die Mitteilung der Bundesdrogenbeauftragten, dass das Modellprojekt spätestens zum 30. Juni 2007 eingestellt wird - ohne dass die Behandlung Schwerstabhängiger mit Originalstoff in eine gesetzlich gestützte Regelversorgung überführt wird.

Trotz positiver Studienergebnisse und wiederholter Interventionen aller am Modellprojekt beteiligten Länder und Kommunen lehnt die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag die notwendige Änderung des Betäubungsmittelgesetzes ab.

"All denjenigen, die sich verantwortungsvoll mit den gravierenden gesundheitlichen und sozialen Problemen schwerstabhängiger Menschen und mit dem Thema der Beschaffungskriminalität auseinandersetzen, muss das politische Scheitern des Projektes absolut unverständlich, wenn nicht sogar unverantwortlich erscheinen", wendet sich Sozialdezernent Thomas Walter gegen das Aus und unterstreicht: "Es ist bedauerlich, dass nicht auch in Berlin die Chancen der Regelversorgung für die akut Betroffenen und das gesellschaftliche Umfeld gesehen werden, von denen wir in Hannover - wie in den anderen Projektstädten - mit breitem politischen Konsens überzeugt sind. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier schlichte Ignoranz über wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse dominiert hat."

Walter dankt in diesem Zusammenhang ausdrücklich dem Land Niedersachsen, das fast die Hälfte der Projektkosten in Hannover getragen hat. "Die Landesregierung hat an dieser Stelle in besonderer Weise soziales Gespür und Innovationsfreudigkeit gezeigt", hebt der Dezernent hervor.
Während der Laufzeit von August 2002 bis April 2006 und der anschließenden, aufgrund der unklaren Entscheidungslage beim Bund notwendig gewordenen Verlängerung bis Ende diesen Jahres haben das Land Niedersachsen 2,74 Millionen, die Stadt Hannover 2,17 Millionen sowie der Bund 763.607 Euro investiert.

"Projektstädte und Träger sind während der Studie in erheblichen Unfang in Vorleistung gegangen mit der Maßgabe, dass bei positivem Studienverlauf - der eindeutig belegbar ist - die Ergebnisse und die Originalstoffabgabe einem größeren Patientenkreis und anderen Städten zur Verfügung gestellt werden," ergänzt Heiner Peterburs, Geschäftsführer Step gGmbh und zeigt sich enttäuscht, dass trotz der Vorteile, zu denen auch die Sozialverträglichkeit einer streng reglementierten Ausgabe zählt, das Vorhaben langfristig gescheitert ist.

Dr. Torsten Passie als Vertreter der betreuenden Ärzte an der MHH weist auf die möglichen gesundheitlichen, psychischen und sozialen Gefahren für die jetzt aus der Versorgung mit Originalstoff fallenden PatientInnen hin. "Aufgrund von Studien in anderen Ländern ist bekannt, dass der Abbruch der Heroinbehandlung mit gravierenden sozialen und gesundheitlichen Folgen verbunden ist. Demnach sind die PatientInnen nach erfolgter Stabilisierung besonders gefährdet, durch die Aussicht eines Rückfalls in die schwere Drogenabhängigkeit in gravierende psychische Bedrückungen zu geraten; was sogar Selbstmorde zur Folge hatte. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass in die Studie nur PatientInnen eingeschlossen werden durften, die nicht mit den gewöhnlichen Behandlungsmethoden behandelbar sind. Insofern ist die angesprochene ,Umstellung’ auf andere Behandlungsverfahren nur bei einem kleinen Teil der PatientInnen überhaupt möglich. Wir müssen somit beim Abbruch der Studie einschneidende, teils Lebens gefährdende Folgen für unsere derzeit wohlgeordneten PatientInnen befürchten", so Passie.

Ergebnisse der Studie:

Bundesweit wie für Hannover wurde in der Studie für die Zielgruppe festgestellt:

  1. Die Behandlung mit Heroin ist der mit Methadon sowohl in gesundheitlicher Hinsicht (Verbesserung des Gesundheitsstatus - Heroin 80 Prozent; Methadon 74 Prozent) wie mit Blick auf die Verringerung des illegalen Drogenkonsums (Heroin 69,1 Prozent; Methadon 55,2 Prozent) deutlich überlegen.
  2. Zwingend notwendig für den Behandlungserfolg ist eine psychosoziale Betreuung.
  3. Mit Heroin unterstützte PatientInnen halten häufiger an der Behandlung fest als die anderen. (Heroin 67 Prozent; Methadon 39 Prozent).
  4. Die Heroindosis musste entgegen bestehender Befürchtungen nicht gesteigert werden, sondern pendelte sich auf eine medikamentöse Menge ein.
  5. Gegenüber dem Spritzen von Straßenheroin ist das gesundheitliche Risiko einer ärztlich kontrollierten Abgabe von Heroin für die PatientInnen vergleichsweise gering. Wegen der im Vergleich zur Methadonbehandlung häufiger auftretenden akuten Schwierigkeiten soll die Behandlung nur in speziell darauf vorbereiteten Praxen von Spezialisten vorgenommen werden.
    Es gab im Studienverlauf keine Todesfälle mit direktem Zusammenhang zur Heroinbehandlung.
  6. In der mit Heroin behandelten Gruppe sank die Kriminalität (Tage und Häufigkeit) stärker als in der Methadongruppe; außerdem lösten sich die PatientInnen besser aus drogenbezogenen sozialen Zusammenhängen.
  7. Von den Heroinambulanzen gingen keine nennenswerten sozialen Schwierigkeiten aus. - Die Abgabe in Hannover verlief problemfrei.

[PM LH Hannover, 28.11.2006]

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