Zehn Jahre Sanierung Vahrenheide-Ost
Entwicklung eines Stadtteils als Erfolgsstory vor allem für Bewohnerschaft
Eigenheime mit grünem Ambiente statt trister Hochhaus-Silos, anspruchsvolle Sanierung von 680 Wohnungen, Modernisierung der sozial-kulturellen und wirtschaftlichen Infrastruktur, Kinderfreundlichkeit und Naherholungsqualitäten - und das alles erreicht in enger nachbarschaftlicher Abstimmung mit der Bewohnerschaft: Das sind Kennzeichen des “neuen” Stadtteils Vahrenheide-Ost, wie er sich in den vergangenen zehn Jahren im Rahmen des vom Land Niedersachsen geförderten und von der Stadt Hannover realisierten Modellprojekts “Integrierte Sanierung Vahrenheide-Ost” entwickelt hat.
Die auch für Städtebau zuständige niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, Mechthild Ross-Luttmann, und Stadtbaurätin Uta Boockhoff-Gries haben sich heute (31. Juli 2007) auf einem Stadtteilrundgang von den Erfolgen des neuartigen Projekts überzeugt.
“Das Modellvorhaben Vahrenheide-Ost setzt weit über Hannover hinaus Maßstäbe in der sozialen Stadterneuerung. Das Land Niedersachsen hat hier gemeinsam mit der Landeshauptstadt zahlreiche bauliche Sanierungen und Umgestaltungen sowie andere Schlüsselprojekte realisiert und finanziert”, resümiert die Ministerin, und erläutert:
“Seit dem Vorhabensbeginn im Jahr 1998 hat allein das Land 6,7 Millionen Euro Fördergeld für die Vorhaben in der 73 Hektar umfassenden Großwohnsiedlung ausgezahlt. Bis zum Abschluss des Modells stehen für Baumaßnahmen und Projekte noch 3,5 Millionen Euro vom Land bereit.”
“Wir haben in dem von sozialen und städtebaulichen Problemen geprägten Vahrenheide-Ost einiges zum Positiven verändern können. Es hat sich gezeigt, dass die soziale Stadterneuerung, die inzwischen auch fester Bestandteil der Städtebauförderung des Landes ist, dazu beitragen kann, das Lebensumfeld der Menschen zu verbessern. Sehr erfreulich ist, dass wir auch die Bewohner direkt erreicht haben. So hat sich in Vahrenheide unter anderem ein selbst organisiertes Netz nachbarschaftlicher Hilfen und familienorientierter Beratungen entwickelt”, hebt Ross-Luttmann hervor.
Stadtbaurätin Uta Boockhoff-Gries zieht für die Landeshauptstadt eine positive Bilanz des Projekts: “Vahrenheide-Ost ist für uns zu einem Erfolgsmodell geworden. Nach zehn Jahren kann man hier sehen, wie man mit der richtigen Mischung aus Vision und Planung, aus großer Investition und kleinen Projekten, aus öffentlicher Initiative und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger einen Stadtteil im wahrsten Sinne des Wortes ‘erneuern’ kann.”
“Denn unser Ziel war von Anfang an, zusammen mit der Erneuerung der Gebäude und des Wohnungsbestandes Lösungen für vielfältige Probleme zu finden - und sie in gemeinsamer Anstrengung umzusetzen”, so die Baudezernentin. “In Vahrenheide-Ost wurde durch den Einsatz öffentlicher Mittel etwa das Vierfache an privaten Investitionen ausgelöst. Das ist nur ein beeindruckender Indikator von vielen dafür, dass wir mit unserer Einschätzung richtig gelegen haben: Es lohnt sich, in diesen Stadtteil Geld und Ideen einzubringen.”
“Vahrenheide-Ost ist heute ein Quartier, dessen baulicher Zustand ebenso wie seine soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung ihm gute Entwicklungsperspektiven als Wohnstandort mit besonderen Qualitäten geben. Und wenn es allen Beteiligten in Fortsetzung der bisherigen Erfolge auch künftig gelingt, die speziellen Potenziale eines großen Anteils junger Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund zu nutzen, werden zu diesen Qualitäten sicher die eines jungen, integrativen Stadtteils gehören,” sieht die Baudezernentin den Stadtteil für die Zukunft gut aufgestellt.
In Vahrenheide-Ost leben derzeit zirka 7.000 EinwohnerInnen, die Hälfte davon mit Migrationshintergrund. Vahrenheide-Ost ist ein junger Stadtteil, der Anteil der Kinder und Jugendlichen bis zu 17 Jahren ist mit 21,1 Prozent sechs Prozent höher als der städtische Durchschnitt von 15,1 Prozent.
Startschuss 1997
Vor zehn Jahren, im Oktober 1997, hat der Rat der Landeshauptstadt Hannover die förmliche Festlegung von Vahrenheide-Ost als Sanierungsgebiet beschlossen. Dies war der Startschuss für das vom Land geförderte Modellvorhaben “Integrierte Sanierung Vahrenheide-Ost”. Im Rahmen dieses neuartigen, integrierten Ansatzes sollte der Stadtteil Vahrenheide-Ost “fit für die Zukunft” gemacht werden.
Bislang sind 15,3 Millionen Euro Städtebauförderungsmittel in das Programmgebiet geflossen, zu zwei Dritteln (10,2 Millionen Euro) finanziert vom Land und zu einem Drittel (zirka 5,1 Millionen Euro) von der Stadt Hannover. Durch zusätzliche Einnahmen aus Grundstücksverkäufen im Sanierungsgebiet kann der Sanierungshaushalt bis Ende 2007 auf zirka 16,9 Millionen Euro aufgestockt werden. Es ist davon auszugehen, dass durch den Einsatz öffentlicher Mittel in Vahrenheide-Ost etwa das Vierfache an privaten Investitionen, d.h. an die 70 Millionen Euro, für Gebäude und Infrastruktur ausgelöst worden sind.
Darüber hinaus wurden bis Ende 2006 rund 800.000 Euro aus dem Haushalt des städtischen Jugend- und Sozialdezernates zur Durchführung sozial-integrativer Projekte bereitgestellt.
Stadtbaurätin Uta Boockhoff-Gries: “Uns war natürlich klar, dass eine nur baulich-städtebauliche Erneuerung des Gebäude- und Wohnungsbestandes nicht ausreichen würde, um die damals vielfältigen Probleme in Vahrenheide-Ost zu lösen.”
Hilfreich war jedenfalls, dass der GBH fast 70 Prozent der Gebäude dort gehören. Aber darüber hinaus ging es neben der erfolgreichen Sanierung vor allem auch um eine zukunftsweisende sozial-kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung im Stadtteil. Und um eine intensive Beteiligung der Bewohnerschaft.
Klingenthal und Co
Als beispielhaft für die Veränderungen des Stadtteils kann der Abriss der Großwohnanlage Klingenthal mit sechs Hochhäusern, 226 Wohnungen und einer Wohnfläche von 17.400 Quadratmetern gelten. Die Abrisskosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro sind über den Sanierungshaushalt finanziert worden. An die Stelle der Hochhäuser ist der Bau einer Einfamilienhaussiedlung mit Reihen- und Gartenhofhäusern getreten. Insbesondere Familien aus dem Umfeld des Stadtteiles haben hier die Möglichkeit, preisgünstiges Wohneigentum zu erwerben.
Mit Sanierungsmitteln wurden bis Ende 2006 darüber hinaus rund 680 Wohneinheiten umfassend modernisiert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht.
Emmy-Lanzke-Haus und MIKY
Wichtige Aufgabe war es zudem, die Angebote der sozialen Infrastruktur an die heutigen Anforderungen der StadtteilbewohnerInnen anzupassen. Beispiele für Lösungsansätze sind der Umbau des Emmy-Lanzke-Hauses zu einem “Vahrenheider Initiativ Zentrum”, einem Treffpunkt für Alt und Jung in der Dunantstraße 5. Oder das Projekt MIK-Y, eine Nachbarschaftsconcierge in der Plauener Straße 22.
Öffentliches und privates Engagement
Hand in Hand funktionierte die Zusammenarbeit von privaten Investoren und der Stadt Hannover, zum Beispiel im Bereich Einzelhandel und Gewerbe. So gelang es gemeinsam, das vormals niedergehende Nahversorgungszentrum Vahrenheider Markt zu stabilisieren. Veraltete Gewerbebauten wurden in den vergangenen zwei Jahren abgerissen und durch moderne, zeitgemäße Einzelhandels- und Gewerbeflächen wie die Neubauten von Lidl, Rossmann und Sparkasse ersetzt.
Im Rahmen der Sanierung hat die Stadt weiter durch eine verbesserte Erschließung und den Bau von Stellplätzen die Standortbedingungen für Einzelhandel und Gewerbe spürbar verbessert. Darüber hinaus hat sie Gewerbeberater zur Unterstützung der Geschäftsleute engagiert. Heute haben sich die Kaufleute in einer Gewerberunde selbst organisiert, geben eine Marktzeitung heraus und organisieren gemeinsam mit dem benachbarten Kulturtreff jährlich regelmäßige Feste auf dem Marktplatz. Ähnlich erfolgreich war die Arbeit beim Nebenzentrum, der Ladenzeile Leipziger Straße.
All diese Aktivitäten haben dazu geführt, dass die Nahversorgung im Stadtteil verbessert und Arbeitsplätze erhalten werden konnten.
Die Bewohnerschaft plant mit
Die Teilhabe der BewohnerInnen an der Entwicklung des Stadtteiles war von Anfang an zentraler Handlungsschwerpunkt des Sanierungsprogramms. Ein Stadtteilforum wurde eingerichtet, in dem sich bislang eine Vielzahl von EinwohnerInnen, Vereinen und Initiativen engagiert hat. Alle Themen der Sanierung werden hier behandelt, bevor sie zur Beratung in die politischen Gremien der Landeshauptstadt gehen.
Das Stadtteilforum verfügt über einen Gebietsfonds (25.000 Euro jährlich), aus dem vor allem sozial-kulturelle Projekte in Vahrenheide-Ost unterstützt werden. Auch wenn die Sanierung voraussichtlich im Jahr 2009 abgeschlossen sein wird - das Stadtteilforum soll es auch weiterhin geben: als Ort, wo sich engagierte Menschen aus Vahrenheide-Ost treffen.
[PM LH Hannover, 31.7.2007]
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