Michael Hans Höntsch: Offener Brief an Dirk Toeppfer
Sehr geehrter Herr Toepffer!
Wie wohl wir beide als evangelische Christen auf einer Kirchenbank sitzen (können), haben Sie laut HAZ vom heutigen Donnerstag Schwierigkeiten mit der Linken an einem Tisch zu sitzen. Und dies, bis sich die Linke endlich von Mauer und Stacheldraht distanziert!
Gern erinnere ich mich an den OB-Wahlkampf und das dortige häufige Aufeinandertreffen. Mitunter saßen wir nebeneinander und Sie freuten sich, gegen Herrn Weil nicht ganz alleine antreten zu müssen.
Ihre Äußerung gegenüber der HAZ ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zu einen gibt es in Hannover schon das ganz normale Nebeneinander (bei allen Unterschieden) von CDU und der Linken. Zumindest in den Bezirksräten Nord und Kleefeld stimmen schon mal Abgeordnete der Union für einen Antrag der Linken, warum auch nicht?
Überschneidungspunkte auf der Ratsebene, wie z.B. beim Essensgeld sind Ihnen sicherlich auch hinlänglich bekannt. Die Ratsmitglieder Ihrer Partei treten mir gegenüber durchaus respektvoll, freundlich und höflich auf.
Mit ihrem Vorwurf in der HAZ greifen Sie mich auch persönlich an. Herr Toepffer, ich bin ein Sozialdemokrat, der sich als demokratischer Sozialist versteht und seine politische Heimat nach 19 Jahren SPD in der Linken gefunden hat. Dass Sie mich mit dem Schießbefehl in Verbindung bringen ist böse Polemik. Mit Verlaub, so gemein ist nicht einmal mein Ratskollege Küßner, der bekanntlich eine besonders scharfe Klinge schwingen kann.
Viele meiner politischen Freunde hier im Kreisverband der Linken waren zum Zeitpunkt des Falles der Mauer 17 Jahre alt oder noch jünger. Aber das wissen Sie alles, lieber Herr Toepffer, auch müsste Ihnen bekannt sein, wie hart die damalige PDS mit sich gerungen hat und im Gegensatz zu den vielen Blockparteimitgliedern, die ihre CDU so problemlos „geschluckt“ hat, hat meine Partei die Linke ein geklärtes Verhältnis zur gescheiterten DDR und gerade auch zu Mauer und Stacheldraht. Wie formulierte erst gestern der Bundesgeschäftsführer meiner Partei, Dietmar Bartsch:
„Die Schlussfolgerung für die politische Linke kann nur eine einzige sein: Schüsse auf Menschen sind auf jeden Fall inhuman und nicht akzeptabel. Das betraf die innerdeutsche Grenze, das betrifft aber auch heute jedes andere Schießen auf Menschen in der Welt.“
Lieber Herr Toepffer, wissen Sie eigentlich, wie viele CDU Leute in den neuen Bundesländern ohne Ansehen ihrer Parteizugehörigkeit von der Linken in Bürgermeisterpositionen gewählt worden sind?
Ich werde ihre Äußerung in de HAZ als das ansehen, was es ist: Billige Wahlkampfrhetorik, schade eigentlich bei diesem ernsten Thema, dem Auftreten der NPD in Hannover!
Und zu eben diesem Thema sei Ihnen die Lektüre Pastor Niemeiers angeraten, der das so eindringlich im Schlusssatz seines berühmten Gedichtes formulierte: „Als sie mich holten, war keiner mehr da, der protestieren konnte.“
In diesem Sinne noch einem schönen Tag.
Michael Hans Höntsch
Fraktionsvorsitzender
Das Linksbündnis im Rat der Landeshauptstadt Hannover
Anmerkung von Sven Steuer, Kreisgeschäftsführer
Angemerkt sei noch, das selbst im Stadtbezirk Ricklingen, mal die CDU mit den Linken und die Linken mit der CDU stimmt und von Schwierigkeiten mit der Linken an einem Tisch zu sitzen nichts zu spüren ist. „Diese Äußerungen von Herrn Töpfer stellen überflüssig, unangebrachte Verhalten dar, welches zu diesen Aktuellen Thema recht unüberlegt sind. Solch eine Wahlkampfrhetorik stellt für mich, mit Verlaub eine dreckige und inhaltslose Art von Wahlkampf dar“, so Sven Steuer, Kreisgeschäftsführer der Partei Die Linke.
[PM Das Linksbündnis im Rat der Stadt Hannover, 16. August 2007]
Aktuell in Hannover, Ricklingen





