Hannover: Platz zwei als Bundeshauptstadt im Naturschutz
Hannover hat unter 115 Städten in Deutschland nach Heidelberg den zweiten Platz beim unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers Sigmar Gabriel stehenden Wettbewerb “Bundeshauptstadt im Naturschutz” belegt. Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff nahm den Preis am Montag (29. Oktober) in einer Feierstunde in Berlin entgegen. Mit der Auszeichnung stellt die Jury - der unter anderem die deutschen Naturschutzverbände und der Deutsche Städtetag angehörten - Hannover ein besonders gutes Zeugnis aus; einerseits für das Zusammenwirken von Naturschutz und Erholung auf kommunalen Grünflächen in langfristig angelegten Programmen und andererseits für beispielhafte Projekte in der Land- und Forstwirtschaft und in der Umweltbildung.
Besonders gelobt wurden der Grüne Ring, der Kinderwald, die “Waldstation Eilenriede” und die Naturschutzentwicklung des Gebietes Breite und Nasse Wiese in Misburg/Anderten. Darüber hinaus hat Hannover mit der Eilenriede den bedeutendsten Stadtwald Europas vorzuweisen und mit 14 Parkanlagen im Citybereich und weiteren acht in der näheren Umgebung die höchste Parkdichte aller deutschen Großstädte.
Mönninghoff, einziger Dezernent in einer deutschen Großstadt, der sowohl für die Umwelt als auch die Wirtschaft in einer Stadt zuständig ist: “Diese Auszeichnung ist ein großes Kompliment sowohl für die Prioritätensetzung der Ratspolitik, als auch für die fachliche Arbeit der Stadtverwaltung und des ehrenamtlichen Naturschutzes.”
Hintergrundinformationen:
An dem Wettbewerb, der erstmals im Jahr 2007 durchgeführt wurde, haben insgesamt 115 Städte und Gemeinden teilgenommen, davon 32 in der Teilnehmerklasse über 100.000 Einwohner. Er wurde von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ausgerichtet und von folgenden Organisationen unterstützt:
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
- Deutscher Naturschutzring (DNR)
- Deutscher Städtetag
- Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB)
- Grüne Liga - Netzwerk Ökologischer Bewegungen
- Naturschutzbund Deutschland (NABU)
- Europarc Deutschland

[PM LH Hannover, 29.10.2007]
Laudatio der Deutschen Umwelthilfe
Hannover: zweiter Platz in Gesamtwertung
Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover ist mit knapp 520.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Norddeutschland und gehört zu den bedeutendsten europäischen Messestädten. Hannover bezeichnet sich selbst als die „Stadt im Grünen“ und
ist für ihre Herrenhäuser Gärten bekannt.
Naturschutz hat in Hannover einen hohen Stellenwert, wir zeichnen die Stadt Hannover für folgende Maßnahmen im Bereich Naturschutz aus: Vorbildlich ist das Grünflächenmanagement der Stadt. Bei unserem Wettbewerb erhält Hannover in diesem Bereich die volle Punktzahl. Sowohl in innerstädtischen, wie auch außerstädtischen Bereichen hat die Stadt Rückzugsflächen für die Natur und Erholungsräume für den Menschen geschaffen. Der „Grüne Ring“ um Hannover bietet für Naturfreunde und Erholungssuchende eine abwechslungsreiche Landschaft, erlebbar auf einem 160 Kilometer langen Radwanderweg. Besonderheit der Ausschilderung sind die blauen Markierungen. Bei der Orientierung helfen blaue Pfosten, Bänke oder andere Objekte. So dienen diese Gegenstände nicht nur als Wegweiser, sondern lenken den Blick auch auf Einzigartiges oder reizvolle Landschaften. Zahlreiche Ziele am Wegesrand erzählen von der Entstehung der Landschaft und ihrer Nutzung durch den Menschen und machen den „Grünen Ring“ zu einem beliebten Ausflugsziel und einem interessanten Naturraum.
Hannover ist auch als „Stadt der Gärten“ bekannt. Gärten und Grünanlagen sind für Flora und Fauna Rückzugsgebiete im innerstädtischen Raum. Deswegen hat Hannover ein aufwendiges Innenhof- und Wohnungsfeldprogramm initiiert, das mit „Mehr
Grün für Fassaden und Dächer“ die Attraktivität der Stadt erhöhen soll. Die Stadtverwaltung unterstützt dabei Initiativen, die wohnungsnahe Freiräume aufwerten. Die Stadt berät fachlich und kann finanzielle Zuschüsse gewähren. Zudem wird jedes
Jahr ein Wettbewerb veranstaltet, bei dem es Geldpreise zu gewinnen gibt. Mit dem Wettbewerb werden Bürgerinnen und Bürger motiviert etwas für die Natur im Vorgarten zu tun. Das Programm läuft bereits seit vielen Jahren und erfreut sich großer Be-
liebtheit.
Mit 14 Parkanlagen im City-Bereich und weiteren acht in der näheren Umgebung hat Hannover die höchste Parkdichte aller deutschen Großstädte. Mit einem interessanten Veranstaltungsprogramm für verschiedene Altersgruppen hebt die Stadt in Kooperation mit der Region Hannover und der tatkräftigen Unterstützung der Naturschutzverbände die Rolle der Parkanlagen für den Naturschutz hervor. In den Sommermonaten werden dazu jede Woche Schwerpunktthemen wie Wasser, Wald oder
Vögel behandelt und vorgestellt.
Hannover überzeugt auch mit Projekten im Bereich der Forst- und Landwirtschaft: das landwirtschaftliche Modellprojekt am Kronsberg erreichte die Höchstpunktzahl. Ziel des Vorhabens war es, Maßnahmen zu erproben, die zu einer Integration von
Naturschutz, Naherholung und Landwirtschaft führen. Naturschutz, Erholungsnutzung und Landwirtschaft treten oft als konkurrierende Ansprüche auf. Am Stadtrand konzentrieren sich an einem Ort diese unterschiedlichen Anforderungen an die
Landschaft und die Natur. Hannover gelingt es hier all diese Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Die Natur profitiert von der ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft: Ackerrandstreifen, die Anlage von Hecken, Obstbaumpflanzungen und Bienenwei-
den bieten für viele Tierarten neue Lebensräume. Die vielfältigen und interessanten Biotopstrukturen übernehmen zudem eine wichtige Vernetzungsfunktion.
Mit der offenen Herangehensweise und der Berücksichtigung aller Gruppen, die Anspruch an den Naturraum erheben, konnte am Stadtrand von Hannover ein Kompromiss gefunden werden, der allen Anforderungen gerecht wird. Durch die wissenschaftliche Begleitung wurden wichtige Grundsätze definiert, die ein Nebeneinander von Natur, Landwirtschaft und Erholung ermöglichen und auf andere Kommunen übertragbar sind.
Auch im Bereich Umweltbildung und Kommunale Grünflächen kann Hannover mit dem „Kinderwald“ punkten. Auf einem ehemaligen Erdablagerungsgebiet von sieben Hektar wurde im Jahr 1996 ein Gelände geschaffen auf dem Kinder das Sagen haben. Von Beginn an wurden die Interessen der Kinder ernst genommen. Hier können sie Vorschläge machen, wie das Gelände gestaltet werden soll und lernen nebenbei die umliegende Natur kennen. Die Kinder werden dabei von einem Team von Naturpädagogen betreut, wichtige Fähigkeiten wie Eigeninitiative und Rücksichtnahme sowie Teambildung, Kreativität und Motorik werden gefördert. Neben diesen pädagogischen Elementen, gibt es viele Maßnahmen, die dem Naturschutz dienen. Unter anderem werden Wälle aus Schnittholz, sogenannte Benjeshecken, angelegt, die vielen Tieren Unterschlupf bieten. Auf diesen Flächen entwickelt sich Natur und die
Kinder erleben diese Entwicklung hautnah.
Im Bereich Arten- und Biotopschutz hat Hannover viele Naturschutz-Maßnahmen umgesetzt, wodurch neue, abwechslungsreiche Lebensräume entstanden sind. Im Landschaftsschutzgebiet „Breite und Nasse Wiese“ wurden 56 Hektar Acker in Extensiv-Grünland umgewandelt. In Absprache mit dem Biobetrieb kann die Stadt flexibel mitentscheiden, in welcher Form die Flächen bewirtschaftet werden sollen. Das ist speziell dann von großer Bedeutung, wenn bei einem Brutverdacht geschützter Vogelarten, wie zum Beispiel dem Wachtelkönig, die Bewirtschaftungsform eingeschränkt werden muss. Flächen werden während dieser Periode von jeglicher Nutzung ausgenommen und eine erfolgreiche Brut ist gewährleistet.
Auch dieses Beispiel zeigt, dass die Landeshauptstadt Hannover bei allen Maßnahmen Wege einschlägt, die auf einen intensiven Austausch sämtlicher Akteure im Vorfeld beruhen. So können einerseits Konflikte vermieden werden und andererseits profitiert der Naturschutz. Sämtliche Projekte haben in Hannover die Gemeinsamkeit, dass sie in langfristigen und nachhaltigen Programmen eingebettet sind. Das macht die Projekte für den Naturschutz besonders wertvoll. Wir gratulieren der Landeshauptstadt Hannover zum zweiten Platz in der Teilnehmerkasse über 100.000 Einwohner und zum zweiten Platz in der Gesamtwertung.
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