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Aktuelle Informationen und Nachrichten aus Hannover · Donnerstag, 19. April 2018

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Kita-Eltern zum Kita-Streik

Kita-Eltern zum Kita-Streik

Aktueller Brief der Kita-Eltern zum Kita-Streik in der kommenden Woche am 3. und 4. 6.2009
Offener Brief an: Oberbrgermeister der Stadt Hannover Stephan Weil; Personalmanager der Stadt Hannover Harald Hrke; Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Landesbezirkschef Jrgen Hohmann; alle Arbeitgeber; die Parteien und ihre Ratsfraktionen

Kita-Eltern fordern aktivere Rolle der Stadt Hannover bei den Tarifverhandlungen und mehr Anerkennung fr die Eltern durch die Gewerkschaften

Verbesserter Personalschlssel wie von den Gewerkschaften gefordert existiert in Hannover bereits in einigen wenigen kleinen Kitas, warum nicht in allen, auch den groen?

Aus dem folgenden Zitat aus der Drucksache 2224-2007 der Landeshauptstadt Hannover geht hervor, dass die Stadt Hannover sich in der Vergangenheit tatschlich bemht hat, den Personalschlssel in einzelnen sehr kleinen Kitas zu verbessern. Schon damals hatte der Kita-Stadtelternrat Hannover allerdings angemerkt, dass die Verbesserung des Personalschlssels auch zgig auf grere Kitas zu bertragen ist, was bislang nicht geschehen ist.

Genau das, einen besseren Personalschlssel, fordern die jetzt streikenden Erzieherinnen und Erzieher. Und der Kita-Stadtelternrat steht nach wie vor dazu, dass nicht nur fr kleinere Kitas zustzliches Personal finanziert wird, um fr den Fall, dass eine Erzieherin ausfllt besser gewappnet zu sein. Auch in greren Kitas, in denen ggf. durch Umschichtungen zwar einfacher Lsungen gefunden werden knnen, muss der Personalschlssel verbessert werden. Dann sind im Bedarfsfall nicht gleich sehr viel mehr Kinder betroffen, wenn Gruppen zusammengelegt werden, oder Fachkrfte in andere Gruppen als Ersatz verschoben werden.

Hier das Zitat:
Bisher sind in den Gruppen fr die Betreuung der unter 3-Jhrigen zwei Fachkrfte
eingesetzt. Trotz der relativ kleinen Gruppengre (je nach Altersstruktur 12 15 Kinder) ist
hier die Aufstockung um eine dritte Fachkraft notwendig. Neben der Betreuungs- und
Bildungsarbeit in den Gruppen gibt es einen sehr hohen pflegerischen Aufwand der ebenso
sorgsam wie zugewandt erfolgen muss wie die gesamte Betreuung. Die Notwendigkeit einer
dauernden Prsenz von erwachsenen Bezugspersonen ist bei den unter 3-Jhrigen ungleich
hher als bei den lteren Kindern. Gerade bei den kleineren Kindern ist personelle
Kontinuitt besonders wnschenswert. Wechselnde Personen in Vertretungssituationen sind
hier weitaus schwieriger zu kompensieren.

Mglicher Ansatz:
Frderung einer dritten Kraft (SozialassistentIn) in den Krippen- und Krabbelgruppen -
zunchst in den Kinderlden und Kleinen Kindertagessttten. In der Folge knnte die dritte
Kraft dann auch in allen anderen Einrichtungen hannoverscher Standard werden.
Bei vollstndiger Umsetzung entstnden Kosten in Hhe von ca. 3,6 Mio. jhrlich
(Kinderlden und Kleine Kitas allein: 1,6 Mio. ).

Aus:
Manahmen zur qualitativen Verbesserung der Kinderbetreuung in
Kindertagessttten, Drucksache 2224-2007_Anlage1.pdf (38 KB), Behandelt u.a. im Jugendhilfeausschuss am 24.9.2007.
Das gesamte Dokument finden Sie u.a. im Internet: Hannover.de > Brgerservice und Politik > Sitzungsmanagement der Landeshauptstadt Hannover > Ausschsse und Komissionen > Jugendhilfeausschuss > 2007 > 24.9.2007

Die Qualitt der Kitas leidet, wenn sie zum permanenten Verschiebebahnhof werden, bei dem nur noch dort Brnde gelscht werden, wo es am heftigsten lodert! Whrenddessen steigen im umgekehrten Verhltnis zu fallenden Gehltern die Anforderungen an die Erzieherinnen: Brckenjahr zur Grundschule, Mathematikfrhfrderung, Sprachfrdermanahmen, usw., Qualittsverbesserungen, die auch von uns Eltern mit erstritten wurden und begrt werden. Aber wenn sich die zustzlich erbrachten Leistungen nicht auch positiv auf das Gehalt auswirken, ist es gerechtfertigt, dass die Erzieherinnen und Erzieher nicht lnger still halten. Hier muss eine deutliche Qualittsanhebung der Erzieherausbildung auf Fachhochschulebene ein ber den aktuellen Streik hinausgehendes Ziel sein. Ebenso eine gegenber dem/der Sozialassistenten/in verbesserte Qualifikation.

Kita-Eltern stehen dazu: Die Forderungen der Gewerkschaften im Kita-Streik sind richtig und ntzen auch Eltern und Kindern!

Der Gesamtelternbeirat der Stdtischen Kindertagessttten und der Kita-Stadtelternrat stehen trotz der Tatsache, dass der Kita-Streik fr viele Eltern ganz erhebliche Einschrnkungen bedeutet, nach wie vor dazu, dass die Forderungen der streikenden Erzieherinnen richtig sind. Arbeitsbedingungen, die dazu beitragen, Gesundheit und Motivation der Kita-Beschftigten zu erhalten, nutzen nicht nur den Kita-Beschftigten sondern auch uns Kita-Eltern und unseren Kindern. Das trifft fr Lrmschutzmanahmen ebenso zu wie fr einen Personalschlssel, der mehr hergibt als ein uerst knapp auf Kante genhtes Konstrukt.

Aktivere Rolle der Stadt Hannover innerhalb des KAV Richtung Einigung liegt nahe!

Wir fordern die Stadt auf, Forderungen, die sie selbst als richtig anerkannt hat (siehe Zitat aus der Drucksache 2224-2007) auch umzusetzen. Die Aussage von Harald Hrke, Personalmanager der Stadt Hannover, in der NP vom 28.5.2009, Das was Verdi in Sachen Gesundheit fordert machen wir lngst., wird durch das oben angefhrte Zitat aus der Drucksache der Stadt Hannover widerlegt. Das Beispiel zeigt: Es wird lngst noch nicht alles gemacht, auch wenn ber einiges immerhin schon geredet wird. Die von der Stadt selbst fr notwendig erkannte Verbesserung des Personalschlssels in allen Kitas, nicht nur den kleinen, entspricht den Forderungen der Erzieherinnen. Hier kann sich die Stadt Hannover innerhalb des Kommunalen Arbeitgeberverbandes fr ein Entgegenkommen in den Verhandlungen einsetzen. Und weil es so ist, dass Hannover bereits in einigen Kindertagessttten gesundheitsfrdernde Manahmen umgesetzt hat (z.B.: Lrmdmmung in der Stdt. Kita-Nieschlagstrae) und angefangen hat, den Personalschlssel zu verbessern (z.B. bei kleinen Kindertagessttten, s.o.) liegt es doch nahe, dass sich die Stadt Hannover im Kommunalen Arbeitgeberverband dafr stark macht, solche Leistungen tarifvertraglich festzuschreiben. Das kann freilich auch nur ein erster Schritt dahin sein, einen besseren Personalschlssel und weitere Manahmen gesetzlich fr alle Kitas festzuschreiben.

Eltern gehen sehr verantwortlich mit den angebotenen Notdienstpltzen um, das verdient Anerkennung!

Wir fordern jedoch auch die Gewerkschaften auf, ihre Haltung gegenber Eltern zu berdenken: Die Einschtzung von Verdi-Landeschef Jrgen Hohmann, der in Anbetracht noch freier Pltze in den Notdienstgruppen zu dem Schluss kommt, Mein Eindruck ist, dass die Not der Eltern nicht so gro ist, sie haben sich gut organisiert.(HAZ vom 27.5.09), ist nur zum Teil richtig. Die Eltern haben sich gut organisiert und sie gehen verantwortungsvoll mit den angebotenen Notdienstpltzen um, so dass die am strksten bedrftigen Familien hier zum Zuge kommen knnen und das verdient Anerkennung. Die Bemerkung, dass die Not nicht so gro sei, trifft nicht zu und wird dem verantwortungsbewussten Verhalten der Eltern nicht gerecht. Viele Eltern sind gezwungen, berufliche Nachteile in Kauf zu nehmen, um an den Streiktagen der vorrangigen Betreuungspflicht ihren Kindern gegenber nachzukommen. Und fr diese Eltern gibt es keine Streikkasse um etwa Gehaltsausflle auszugleichen. Ganz zu schweigen von beruflichen Nachteilen, die Eltern bei solchen Arbeitgebern erfahren, die wenig Verstndnis fr die Doppelbelastung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufbringen, die sich auer um ihren Beruf auch noch um ihre Familie kmmern mssen.

In Eigenregie von den Eltern getroffene Notlsungen und die angebotenen Notdienstgruppen stellen eine hohe Belastung dar und knnen keinen regulren Kita-Betrieb ersetzen!

Die von den Eltern in Eigenregie getroffenen Notlsungen knnen allenfalls ganz wenige Tage im Jahr zum Tragen kommen und sie knnen ebenso wenig wie die gemeinsam von der Stadt und von Verdi angebotenen Notgruppen den regulren Kita-Betrieb ersetzen.

Deshalb appelliert der Gesamtelternbeirat der Stdtischen Kitas und der Kindertagessttten-Stadtelternrat erneut an den Kommunalen Arbeitgeberverband und die Gewerkschaften, sich ernsthaft um ein gutes Verhandlungsergebnis zu bemhen, das einen qualitativ hochwertigen regulren Weiterbetrieb der Kindertagessttten ermglicht.

Kitas sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von denen auch alle Betriebe profitieren, in denen Eltern mit kleinen Kindern arbeiten und die gut ausgebildete Fachkrfte suchen!

Und wir appellieren erneut an alle Betriebe, ihren Einfluss geltend zu machen, um qualitative Verbesserungen im Kita-Bereich bei den Kommunen einzufordern. Eltern, die bei der Arbeit den Kopf frei haben, weil sie wissen, dass mit ihren Kindern in den Kitas eine gute Bildungs- und Erziehungsarbeit geleistet wird, sind schlielich auch fr die Betriebe ein Gewinn. Und langfristig profitieren die Unternehmen, wenn dank guter Kitas eine gute Frhfrderung der nachwachsenden Mitarbeiter-Generation gewhrleistet ist. Obwohl in manchen Kreisen Kitas noch immer als berflssige Luxus-Produkte fr bequeme Eltern missachtet werden, besteht lngst ein gesellschaftlicher Konsens, dass Kindertagessttten eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellen, von denen zu aller erst die Kinder profitieren, vorausgesetzt, dass ein groes und qualitativ hochwertiges Kita-Angebot zur Verfgung steht. Nicht zuletzt kann der Kita-Streik auch einen Beitrag leisten, diese Einsicht noch strker im ffentlichen Bewusstsein zu verankern und die Verantwortlichen dahin treiben, die notwendigen Investitionen zu ttigen. Dass alle Betriebe mit Eltern, die vom Kita-Streik betroffen sind, diesen mit grozgigen Lsungen entgegenkommen versteht sich daher von selbst!

Mit freundlichen Gren

Saskia Sder (Vorsitzende des Gesamtelternbeirates der Stdtischen Kitas)
Georg Weil (Kita-Stadtelternrat, Sprecher)

Kita-Stadtelternrat
Ricklinger Strae 39
30449 Hannover

[PM Kita-Stadtelternrat, 30.05.2009, Georg Weil]

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